Salzburger Land

Resident: Johannes Sampl

Der Fotograf Bernhard Müller im Gespräch mit Johannes Sampl, angestellter Einzelhandelskaufmann bei Nah&Frisch in Zederhaus. Geboren 2000 in Zederhaus, wohnt in Unternberg.

„Für mich war es immer schon so, dass ich weg will.“

 Wie war Dein Werdegang, wie bist Du nach Zederhaus gekommen?

Meine Mama kommt von Zederhaus und mein Papa kommt von Unterberg und die ersten drei Jahre meines Lebens hab ich hier herinnen verbracht. Dann sind wir nach Unternberg gezogen, Hauptschule und die neue Mittelschule in Tamsweg. Dann hab ich ein paar Jahre die Landwirtschaftsschule gemacht, weil ich nicht gewusst hab Holz oder Metall, weil ich wollte was handwerkliches machen und es ist dann in die Holzrichtung gegangen. Ich hab zwei Jahre Zimmerer gelernt, aber da war ich noch nicht so reif dafür und da hab ich mich gefragt, was mach ich denn jetzt, weil in der Berufsschule ein zweites Mal durchgeflogen und hab auch für mich selbst gesehen, dass ich zu unreif dafür bin. Dann bin ich in den Handel gegangen, beim Billa in St. Michael hab ich von neuem zum Lernen angefangen und als Einzelhandelskaufmann fertig gelernt und auch mit Auszeichnung bestanden. Nach dem Bundesheer hab ich mir dann gedacht das probier ich jetzt einfach mal. Ich bin Angestellter hier in Zederhaus im Nah&Frisch bei meinem Großonkel, aber mit meinen Zukunftsplänen passt das nicht, dass ich das übernehme. Am Anfang wäre schon das Interesse dagewesen, aber ich will Familie haben und da ist zeitmäßig nicht so viel drin. Ich will ein Kind haben und da will ich nicht den ganzen Tag und samstags auch den ganzen Tag arbeiten, braucht man ja auch Zeit für die Frau und das Kind und ich will nicht nur für die Arbeit leben. Ich wohn jetzt in Unternberg und pendle jeden Tag 20 Kilometer rein und raus nach Zederhaus.

Das ist zwar im Augenblick happig mit den Spritpreisen, aber da meine Freundin 20 Kilometer vor der slowenischen Grenze lebt, kann ich auch billig tanken. Und wie es halt am besten geht fahr ich am Wochenende zu meiner Freundin oder sie kommt rauf zu mir. Und jetzt bin ich halt da.

© Bernhard Müller

Was schätzt du am Lungau?

Den Zusammenhalt in einem Dorf und die Natur, und dass man halt viele Angebote hat, wenn man naturfreudig ist. Man kann jeden Tag auf einen anderen Berg gehen, man kann wandern. Ich bin zwar nicht so der Typ dafür, dass ich 3 Stunden auf den Berg gehe, aber im Winter ist das Skifahren richtig schön. Man merkt schon, dass die Leute nicht nur auf sich schauen, sondern auch ein bisschen auf die anderen. Hier im Lungau ist halt der Sprit immer viel teurer als in der Stadt. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Zum Beispiel hat halt bei uns nichts bis um 12 Uhr Nachts offen und man hat auch nicht das Freizeitangebot für die Jugendlichen. Man muss als Junger eher nach Kärnten oder Spital oder Richtung Salzburg. Das ist auch lustig, weil man hat es nicht so weit in die nächste Stadt, weil Spital ist ja auch eher was größeres, da gibt es ein Kino oder den Mäckie und man kann auch mal Shoppen gehen. Da fährst so 30 bis 40 Minuten. Wie gesagt, für die Jungen ist es schwierig hier zum Fortgehen. Als ich jung war und noch mehr fortgegangen bin, hab ich auch nur 2 Bars oder Pubs gehabt, aber die Verbindung im Lungau ist ehrlich gesagt ein Scheiss, weil du brauchst ein Auto wenn Du Abends etwas unternehmen willst. Sicher es geht auch mit dem Rad und das genießt man auch, aber ich hoffe dass sich im Regionalverkehr etwas tut. Wenn man jemanden kennt, kann man natürlich auch Fahrgemeinschaften machen oder man schaut auf Facebookseiten, ob jemand nach Salzburg fährt, der dich mitnehmen kann.

© Bernhard Müller

Wie empfindest du das kulturelle Angebot im Lungau?

Das ist eigentlich schon hoch. Zum Beispiel die ganzen Almhütten, die Kirchen, Museen haben wir ein paar, es ist schon einiges da. So für die älteren Leute, sag ich mal, sind schon Feste, wo was los ist. Für uns Junge ist`s nicht so viel. Ich hör von der Musik her eher so Hardstyle und will beim Fortgehen nicht das Feeling von einem Bierzelt haben und drum ist für die Jungen nicht so das Angebot da, damit sie auch hierbleiben.

 

Gehen denn viele Junge weg aus dem Lungau?

Speziell aus Zederhaus ja, das merk ich schon. Es arbeiten halt auch viele auswärts, pendeln am Anfang, aber siedeln sich dann auch dort an. Und für mich war es immer schon so, dass ich weg will. So als Kind ist es schon schön im Lungau, aber wenn man dann heranwächst, will man mit den Freunden auch mehr unternehmen und fortgehen. Man muss halt zwischen den Vor- und Nachteilen abwägen, für andere sind die Qualitäten vom Lungau zu 100% ansprechend und für andere halt nicht so. Ich will halt schon ländlich wohnen, nicht direkt in der Stadt, aber dass man die Möglichkeit hat auch mal Fortzugehen und dann mit dem Taxi heimkommen kann. Jetzt wenn ich um 1 Uhr in der Nacht aus der Bar komme und mit den Öffis heim will, dann bin ich mal um 6 Uhr zu Hause. Und das interessiert halt auch keinen. Und dass man mit den Freunden heimfahren könnte ist auch selten, weil da ist die Volksdroge schon in der Übermacht. Überhaupt im Lungau.

© Bernhard Müller

 

Gibt es noch viele so kleine Lebensmittelgeschäfte wie hier in Zederhaus im Lungau?

Ohne uns gibt es noch drei, in Rammingstein, in der Muhr haben sie wieder eines eröffnet, bei dem anderen in Eineck weiß ich gar nicht, ob es noch existiert. Die meisten Leute sind halt so, dass es beim Billa billiger ist, aber wenn du dann die 10 Kilometer rein und raus dazuzählst, haben sie den gleichen Preis. Die älteren Leute sind sehr froh, dass es uns gibt. Es wird eine Frage der Leute sein, ob das erhalten bleibt oder nicht. Es wär ja schade, wenn es das nicht mehr gibt, weil wenn man alt ist und nicht mehr Autofahren kann und der Bus nur dreimal am Tag fährt, ist das auch nicht das wahre.

© Bernhard Müller

Wie schaut es denn bei dir mit der Kunst aus und was verstehst du darunter? Besuchst du Ausstellungen?

Kunst? Was ist das? Ich versteh darunter, sich kreativ auszuleben, zum Beispiel Statuen machen, Malen, Töpfern. Ich bin da nicht so begabt. Ich hab es zweimal probiert, aber hab nicht so die Hand dafür. Wenn ich Zeit dafür hätte, würden mich Ausstellungen schon interessieren, aber ich arbeite 6 Tage die Woche, da muss ich schauen, dass ich für mich selbst Zeit habe und für die Freundin. Es hat früher ein paar Ausstellungen in Unternberg gegeben, die hab ich mir schon angeschaut. Das war von irgendeinem Privaten, der hat da so einen kleinen Raum gehabt und da hat es zwei- bis dreimal im Jahr Ausstellungen gegeben. Ob es das heute noch gibt, weiß ich nicht.