Salzburger Land

Resident: Herbert Oberhummer

Der Fotograf Bernhard Müller im Gespräch mit Herbert Oberhummer, Seniorchef in der Taverne und Ex-Vizebürgermeister von Obertauern. Er ist 1942 in Bischofshofen geboren und lebt seit 1946 in Obertauern

 

„Obertauern ist winterfixiert, leider.“

©Bernhard Müller

 


©Bernhard Müller

 

Wieviel Menschen leben denn in Obertauern?

In Obertauern vielleicht 200 – höchstens – schätz ich. Alles zusammen. Wähler haben wir in Tweng so 150. Der Bürgermeister von Tweng ist unser Bürgermeister. So schauts aus.

 

Auf eurem Wirtshausschild steht seit 1002. Gibt es denn die Taverne seit 1002?

Na da war die Römerstraße übern Pass und die Taverne ist erwähnt 1002 in der Chronik in Salzburg als Einkehrstätte. Damals haben alle Gasthäuser Taverne geheißen. In Untertauern oder die Post in Tweng – Taverne mit f geschrieben, weil v hat es keines gegeben.

Mein Vater war Lehrer in Obertauern in der Volksschule, mit 8 Schulkindern, bis 1961 waren beide Gemeinden zusammen, eine Schule in Obertauern. Und jetzt gibt es eine Schule in Untertauern und eine in Tweng, der Hauptgrund war ja, weil die Fahrt nichts kostet.

Die Taverne gehört seit 1952 der Familie, alles selbst aufgebaut. In Familienbesitz in dritter Generation. Der Vater, dann ich und jetzt der Sohn, aber der hat noch keine Frau, der sucht noch immer eine Wirtin, schwer auf der Suche. Er hat einen Bruder in Tamsweg, der hat eine Familie mit drei Kinder. Der ist mehr so ein Fremdenverkehrsmanager, arbeitet in Köln. Von Tamsweg mit dem Taxi nach Salzburg und von Salzburg nach Köln in einer Stunde und halbe Stunde ins Büro.

 

Fühlst Du dich in Obertauern mehr als Lungauer oder als Pongauer?

©Bernhard Müller

Also ich muß sagen, alle die hier da sind in Obertauern, fühlen sich als Lungauer. Wenn ich nach Radstadt runterfahr, dann krieg ich schon so einen Hals, weil ich bin in die Hauptschule gegangen in Radstadt, da hats ja da heroben keine Hauptschule gegeben und nach Tamsweg keine Verbindung. Das Radstadter Bürgertum war so hochnäsig – das war so ein komisches Gefühl. Wenn du nach Tamsweg runterfährst, da hockt alles zusammen, jeder ist per du, bist im Schwimmbad heißts „Ja griaß di, wir haben schon vor 40 Jahren in Obertauern am Lift gearbeitet. Ja wie geht’s dir denn?“. Wir fühlen uns alle als Lungauer. Weißt, jetzt haben wir einen Fleischhacker, der ist in Mauterndorf, der Schinken, der kommt vom Fleischhacker, das ist ja eine ganz andere Qualität, ein Traum, der Speck und das Schnitzelfleisch. Und Radstadt, ich weiß nicht, es arbeiten ja auch alle vom Lungau da heroben, die Malerfirmen, die Elektriker und überhaupt.

 

Es wird ja viel renoviert und gebaut hier in Obertauern, wie geht’s dir damit?

Ja, es werden im Augenblick fünf Außenbäder gebaut! Im Winter Außenbäder, weil es ihnen nichts kostet, Geld hats genug gegeben, coronamäßig. Es scheint es sind alle nicht so schlecht gefahren, wir auch, ein bisserl sag ich. Eine Strafe haben wir mal gekriegt über 1000 Euro, weil drei vom Hotel, die Sekretärin und drei Dachdecker haben Mittag gegessen, Aboessen, aber in einem Extraraum. Jetzt haben wir Einspruch erhoben, 2 Jahre hats gedauert, jetzt sind wir in der 2. Instanz wieder verurteilt worden. Aber die Hilfen waren perfekt, da kann sich keiner beschweren und drum bauen auch viele, haben ja Millionen bekommen, teilweise glaub ich. Wir haben den Vorteil gehabt, dass wir im Sommer die einzigen sind, die offen haben, die Arbeiter essen alle bei uns und der Umsatz im November ist vom vorigen Jahr berechnet worden, 80 Prozent und wir haben nicht viel Einbußen gehabt und Personal haben wir ganz wenig.

 

Habt ihr Personalprobleme im Augenblick?

Ja sicher, wir haben keinen einzigen momentan. Am Freitag sperren wir auf, machen wir`s halt selber in kleinerem Rahmen, meine Frau kocht, ich tu servieren und der Sohn auch als Koch und im Service.

 

Warum geht denn hier in Obertauern so wenig im Sommer?

Das haben sie verschlafen, ich rede schon seit 50 Jahren, es war ja vor 50 Jahren mehr los als jetzt im Sommer. Da waren die Häuser zwar kleiner, aber jetzt ist`s ja auch viel schöner, ich weiß noch vor 50 Jahren im Juli da hat es dreimal geschneit, an so einem Tag wie heut im Juli im Freien sitzen, also da muss ich sagen die Klimaerwärmung ist da wirklich gut, der Badesee hat über 20 Grad da droben auf 2000 Meter, da ist`s schön zum Schwimmen, da fahren dann auch Schifferlund Kletterkurse gibt’s, aber Obertauern ist winterfixiert, leider – das ist der einzige Ort, derweil ist doch da viel schöner, da hinten das Naturschutzgebiet, die Blumen. Gestern hab ich da hinten Blumen gepflückt, Arnika ein ganzes Feld.Herrlich. Aber eine Austragswohnung hab ich in Tamsweg, seit 10 Jahren zur Miete, wenn ich mal richtig in Pension gehe, weil wenn der Sohn mal so einen Drachen als Frau kriegt, weißt dann sind wir dahin meine Frau und ich. Meine Frau ist eine super Köchin, die wollt immer auf den Berg, Gott sei Dank. Ich bin jetzt 80 Jahre, meine Frau 70, wir haben grad goldene Hochzeit gehabt. Ich war ja auch Skilehrer da heroben, aber im Film von den Beatles war ich nicht. 1947 sind wir hergekommen nach Obertauern, der Vater war ja Lehrer, den haben sie strafversetzt hierher, darf man zwar nicht sagen, also nach dem Krieg, er war Kämpfer fürs deutsche Volk, also was ich weiß hat er gegen die Russen gekämpft, von den Juden da hat er gar nichts mitbekommen, damals hats je geheißen der Russe hat uns überfallen und nach 1947 haben sie ihn als Lehrer wieder eingestellt, weil sie da heroben keinen gefunden haben und bis 1961 war er Schullehrer. Eine achtklassige Schule in einer Klasse, das war super. Die sind alle Universitätsprofessoren und alles mögliche geworden. Mein Bruder der war ja der Physiker, Dr. Heinz Oberhummer, von den Science Busters, der war der beste Physiker von Österreich, der war sogar für den Nobelpreis nominiert, aber hat gegen den Amerikaner keine Chance gehabt. Der ist immer gerne da gewesen, da heroben, war ein Naturmensch.

@Bernhard Müller

 

Was macht für dich die Kultur im Lungau aus?

Naja super ist das, jetzt waren wir wieder bei einem im Konzert drunten in der Leonhardskirche, weil der zweite Sohn ist beim Bürgerchor in Tamsweg, da war ja jetzt ein Festival von den Chören, der ist der jüngste mit 45, weil die haben ja keinen Nachwuchs. Für Ausstellungen hab ich fast keine Zeit. Das einzige war in Hamburg, da war ein Opernsänger aus Wien, bei den Festspielen war ich auch mal früher. Und jetzt,wenn wir Urlaub haben im Sommer, fahren wir eher in den Süden ins Warme. Und wir haben einen eigenen Golfclub mit Sitz im Lungau, aber die sind auch alle schon alt, die Jungen wollen nicht Golf spielen. Es gibt einen Golfplatz in Sankt Michael, da spielen wir gerne, das ist immer eine Gaudi das Zusammensitzen nachher. Einmal hab ich ein Turnier gewonnen, das war Golf und Skifahren zusammen, vor 30 Jahren. Tja die Kunst da heroben. Wir haben selbst eine Hausmusik, eigene Lieder haben wir komponiert. Sonst wüsste ich nicht viel Kunst da heroben. Einen Damenchor hats mal gegeben, aber sonst haben wir nichts mehr aufzuweisen.

 

Eine Kirche habt ihr ja schon hier in Obertauern. Habt ihr auch einen eigenen Pfarrer?

Die Kirche ist genau 1526 erbaut worden unter dem Salzburger Erzbischof Solari vom Dombaumeister. Und der Pfarrer der wechselt, einmal kommt der von Tweng herauf oder von Untertauern oder Radstadt, das Gebiet das wechselt immer, mal gehörts zum Lungau, mal zum Pongau. Was schön ist, ist immer der Prangtag, eine Wanderung zum Seekarhausam 26. Juli mit Stationen. Ja es ist schon wunderschön bei uns heroben, die Hütten und die Almen, die Twengeralm, der Schwiegersohn hat selbst eine Alm gebaut, der ist in der Tamsweger Bauernschule. Die Hütten sind alle schön im Sommer, nicht so wie im Winter da sind es Industriehütten. So wie die Dicktenhütte, die haben alle Produkte aus der heimischen Landwirtschaft. Es gibt noch Almen mit Vieh, aber keine mehr zum Melken, das hat sich aufgehört. Früher waren es 3 Almen. Jetzt ist das Jungvieh heroben. Früher war alles mit Latschen zugewachsen, das haben sie gerodet im Sommer und dann war ein Latschenbrenner da. Die Wurzeln von den Latschen die haben wir

©Bernhard Müller

zusammengeschnitten und mit denen haben wir den Kamin geheizt. Wir haben immer noch einen offenen Kamin, Gott sei Dank. Ansonsten ist da heroben alles Fernwärme. Da drunten ist ein Hackschnitzelwerk, da war ich noch Vizebürgermeister, da haben wir 2003 das mit den Hackschnitzel ins Leben gerufen. 10 Jahre war ich Vizebürgermeister und Bürgermeister wäre ich auch geworden, aber dazu bin ich bei der falschen Partei – bei der FPÖ, 48,5 Prozent hab ich gehabt. Aber bei uns hat eseigentlich keine Politik gegeben, da ist immer kreuz und quer abgestimmt worden, auch wenn es um Baumaßnahmen gegangen ist. Ja das war eine schöne Zeit.

 

 

Wird denn noch viel Neues in Obertauern gebaut?

Neues wird nicht gebaut, nur renoviert und Verbesserungen, weil da ist eigentlich alles ausgereizt, da sind die Skipisten, da hinten da ist Naturschutzgebiet. Da hinten ist ein See beim Seekarhaus, aber den lassen sie nicht ausbaggern, das ist eine Schlammkloake, der ist eigentlich künstlich gestaut gewesen, das ist Naturschutzgebiet von der EU von Brüssel, da darfst du nichts machen, der See ist nur 1 Meter tief, die Fische die haben schon einen Pilz, weil sie zu wenig Wasser haben, der Grund ist nur Schlamm von früher vom Seekarhaus die Kloake. Jetzt ist ja alles kanalisiert, aber von früher eben. Aber was meiner Frau aufgefallen ist, früher wars bis dahin grün und jetzt geht’s schon 100 Meter weiter rauf das grün, die Zirben wachsen jetzt schon 100 Meter weiter rauf. Für uns ist`s gut, dann ist es nicht so kalt.

©Bernhard Müller