Salzburger Land

Resident: Bertram Schaffenrath

Der Fotograf Bernhard Müller im Gespräch mit Bertram Schaffenrath, geboren 1969 in Tirol, lebt seit 1992 in Tamsweg, Gruppeninspektor bei der Autobahnpolizeiinspektion St. Michael im Lungau.

„Wir haben hier alles, was man für ein gutes Leben braucht“

 

 Wie war Ihr Werdegang und wie sind Sie ins Lungau gekommen?

Ich bin der Schaffenrath Bertram, bin eigentlich geborener Tiroler und wohne schon seit 30 Jahren im Lungau. Seit 32 Jahren bin ich bei der Polizei, seit 25 Jahren bin ich hier herinnen bei der Autobahn und bin Gruppeninspektor. Wir sind von der Landesgrenze zwischen Kärnten und Salzburg tätig und von Mitte Katschbergtunnel bis Hüttau kurz vor dem Reittunnel zuständig, das heißt aber nicht, dass wir im Tunnel umdrehen.

Hat sich auf der Autobahn viel verändert die letzten Jahre?

Wesentlich mehr Verkehr. In der Coronazeit war es sehr gemäßigt, aber jetzt ist es schon viel mehr, auch Kriminalsachen, es steigt alles ein bisschen.

 

Was hat Sie ins Lungau verschlagen?

Das war die Liebe.

 

Was schätzen Sie am Lungau?

Eigentlich die zentrale Lage in Österreich. Man hat nicht weit nach Deutschland, man hat nicht weit nach Wien oder nach Tirol, man ist sofort am Mittelmeer. Ich schätze die Natur, wenig Industrie. Ich schätze, dass die Menschen eher noch friedlich sind, es ist alles noch ruhiger, gemäßigter. Es gibt viel Brauchtum, man kennt viele Leute und man ist nicht so anonym. Und ich mag das Klima recht gerne, es ist zwar sehr kalt, aber im Winter auch sehr trocken. Wir haben Schnee und es ist im Sommer angenehm, man kann in der Nacht gut schlafen. Und im Prinzip hat man hier alles, was man für ein gutes Leben braucht.

Sind Sie selbst kulturell tätig oder im Brauchtum verbunden?

Das bin ich eigentlich nicht, aber ich geh dann und wann in ein Konzert, hab auch eine Jahreskarte von der Kulturvereinigung, da gibt es in St. Leonhard Kirchenkonzerte und manchmal fahr ich auch nach Salzburg raus zu Konzerten im Mozarteum. Moderne Kunst eigentlich weniger, weil, was das betrifft, wird die hier auch nicht geboten. In Tamsweg bei der Kulturvereinigung bin ich aber auch Jahresmitglied, die sind ja ein sehr aktiver Verein und da gibt es über das Jahr gesehen relativ viele Veranstaltungen in alle möglichen Richtungen, vom Kino über hochwertige Konzerte, Kirchenkonzerte, Kabarett, Theater, alles Mögliche. Man muss sagen für so einen Bezirk wie das Lungau sehr hochkarätig. Vor allem die Kirchenkonzerte in St. Leonhard, da kommen sie vom Mozarteum oder sogar von den Wiener Philharmonikern.

 

Was würden Sie gerne am Lungau ändern?

Ach so richtig negativ empfinde ich hier nichts. Ich würde mir wünschen, dass die Bevölkerung nicht schrumpft, denn das haben wir schon hier, es ist ein Prozess, dass die Bevölkerung zurückgeht. Ich würde mir aber wünschen, dass sich keine Schwerindustrie ansiedelt, dass der Lungau so bleibt wie er ist. Das naturbelassene, ich bezeichne das als Biosphäre.

 

Was meinen Sie, warum die Leute bzw. die Jungen aus dem Lungau weggehen?

Es gibt im Lungau relativ viele Pendler, weil die Anzahl der Arbeitsplätze beziehungsweise auch das Lohnniveau nicht übermäßig ist. Obwohl meine subjektive Meinung die ist, dass doch wieder viele Junge zwar nicht hier arbeiten, aber hier bauen, weil die Grundstückspreise halt noch anders sind. Die hohen Grundstückspreise sind das Problem, das woanders jetzt gerade auftritt, dass man zum Beispiel in Salzburg nichts mehr bekommt. Im Lungau ist halt die Gefahr, dass viele Holländer und viele Deutsche sich hier Wohnungen kaufen, weil sie es hier schätzen und das treibt das Preisniveau natürlich auch nach oben. Das ist sicher auch ein Problem.

Haben Sie vieleicht ein Erlebnis, das Sie ganz speziell mit dem Lungau verbinden?

Naja was ganz interessant im Lungau ist, dass es einige so Originale gibt oder gegeben hat, wie den Valentin Pfeiffenberger, der Pfarrer aus Thomatal, der ist zu Pfingsten mit dem Esel in die Kirche hineingeritten und war auch so ein recht interessanter, bodenständiger Mensch. Dann hat es den Federnbachtl gegeben, das war so eine Art Sandler, der hat im Wald gewohnt und hat eine Kleidung gehabt mit lauter Federn, der ist schon gestorben.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich da hergekommen bin und überhaupt niemanden gekannt hab. Da gibt’s die Vereinigten zu Tamsweg, das ist so eine Art Bruderschaft und mein Schwiegervater hat gesagt, da gehst du zu dieser Bruderschaft und ich hab keine Ahnung gehabt, was das ist, aber natürlich hab ich gesagt das mach ich. Da gibt es dann dieses Burschenschaftsfest, da kriegt man so einen Helm aufgesetzt und eine Pferdefigur und dann muss man so bestimmte Tänze aufführen in verschiedenen Gasthäusern und in Sters, das sind Privatunterkünfte, und überall muss man dann ein Schnapserl trinken. Und da suchen sie natürlich immer einen Neuling und das war halt dann ich. Aber das war dann doch interessant, weil ich innerhalb kürzester Zeit so viele Tamsweger kennengelernt habe und das vergesse ich bis heute nicht, wie schnell das durch diesen Verein gegangen ist und es ist jedes Jahr wieder etwas ganz besonderes, wenn man da teilnimmt. Ich kenne viele andere Gegenden, aber eigentlich möchte ich nirgendwo anders wohnen, ich hab da einen sicheren Arbeitsplatz, ich fahr gerne Ski, geh gern Wandern und Radlfahren, hier ist`s einfach ideal.