Salzburger Land

Resident: Anton Leitner

Der Fotograf Bernhard Müller im Gespräch mit Anton Leitner, Biobauer in Hof bei Salzburg und Resident für Clemens Bauder und Alexander Römer, Constructlab | Superort

„Am Land ist mein Leben“

 

Wo bist du aufgewachsen, wie war dein Werdegang?

Geboren bin ich im Oktober 1963 und meine Eltern waren auch schon Bauern und ich bin im elterlichen Betrieb aufgewachsen. Dann Volksschule, Hauptschule und Landwirtschaftsschule, 3 Jahre in Klessheim, und dann hab ich noch einen Beruf gelernt, 3 Jahre Tischler. Zufällig hat mich damals ein Spezl gefragt, ob ich nicht Briefträger werden will und so hab ich bei der Post angefangen, da bin ich jetzt schon 35 Jahre in der Stadt Salzburg. Ich fahr jeden Tag nach Schallmoos und es macht mir eigentlich Spass. Im Nebenerwerb machen wir den landwirtschaftlichen Betrieb, meine Frau und ich, sie ist die Betriebsführerin. Kinder haben wir drei, Enkerl haben wir auch schon drei, also jünger werden wir nicht mehr (Anton lacht zu seiner Frau). Der Sohn ist da auf dem Hof und der wird dann auch übernehmen. Es wär ja gut, wenn es weiter geht, weil man baut so einen Betrieb auf und das tut doch weh, wenn es nicht weiter geht. Mein Sohn ist mit Leib und Seele Bauer und gibt Gas, wir bremsen ihn eh schon, aber wir ziehen schon mit ihm mit und das ist dann ja auch ein Erfolgserlebnis. Und so ergänzen wir uns gegenseitig und das ist gut für den Betrieb, wenn man jedes Jahr was tut, kommt man auch zu etwas, es geht ja nicht von heut auf morgen. 1996 haben wir von meinen Eltern übernommen und haben immer fest gearbeitet und wenn jetzt der Sohn weitermacht ist das auch schön.

 

Was verbindet dich mit Hof ganz besonders?

Wir sind einfach eine ländliche Gemeinde, wir sind gerne am Land und auch das Vereinsleben, Maibaum aufstellen und solche Sachen. Es ist auch von der Stadtnähe interessant, 13 Kilometer zur Stadt, es ist einfach Natur pur und wir sind von klein auf das Landleben gewöhnt. Wir sind einfach immer schon da gewesen.

 

Viele Menschen zieht es nach wie vor in die Städte, hast Du als junger Mensch darüber nachgedacht von hier wegzugehen?

Durch meinen Beruf bin ich eigentlich immer in der Stadt drinnen und ich fahr eigentlich viel lieber wieder raus wegen den Wiesen und dem Wald. Wir haben ja Waldarbeit auch, wo wir den Wald hegen und pflegen müssen, nicht nur Grünlandwirtschaft und Milchwirtschaft, mir taugt das voll. In der Stadt ist mein Job und am Land ist mein Leben und meine Arbeit.

 

Wie siehst Du in Hof das Verhältnis zwischen Kultur und Kunst, was überwiegt?

Das Vereinsleben ist schon stark, vom künstlerischen her sind wir nicht so bewandt, weil wir mehr mit der Natur arbeiten und das Künstliche nicht so kennen. Musik ist ja auch Kunst, wie Mozart und so. Wir hören es halt mal, aber Kunst ist für uns eher Nebensache, wir sind es nicht so gewöhnt. Wir haben uns mal bei den Festspielen etwas angeschaut oder zu Weihnachten das Advent-Singen, aber dass wir am Wochenende extra in die Stadt fahren oder wie zu Festspielen wie die im Burgenland, das sind wir halt nicht. Wir haben auch nicht die Zeit. Es geht uns aber auch nicht ab. Man kann es ja auch im Radio anhören, das Silvesterkonzert haben wir uns dieses Jahr mal angehört, da nehmen wir uns schon mal die Zeit, auch schön, aber ich muss es auch nicht immer haben. Das sind wir nicht.

 

Wie geht es Euch mit Kunst im öffentlichen Raum, speziell hier in Hof?

Du meinst so wie beim Kreisverkehr in Bergheim. Da fällt mir nichts ein. Weißt, bei uns da überwiegt eigentlich das ländliche Leben. Das ist nicht so der Platz da, kommt mir vor. Im Sommer war mal eine Rockband da und KULT (Kultur- und Veranstaltungszentrum in Hof) gibt es, da sind immer so Konzerte und Kabarett, einmal im Monat ist da was und die sind auch relativ gut besucht, aber heuer haben sie wegen Corona ja alles abgesagt.

 

Bist du ein geselliger Mensch?

Ich bin im Heimatverein und der Sohn ist bei den Schützen. Ich hab einfach nicht mehr so viel Zeit, ich hab meinen Job und die Landwirtschaft, die ziemlich groß geworden ist und ein bisschen Freizeit brauch ich auch, es bleibt da nicht mehr so viel übrig. Ich kann nicht alles machen und ein bisschen leben soll man ja auch, mehr geht nicht.

 

Mit der begehbaren Strohballenskulptur „Superort“ von Clemens Bauder und Alexander Römer entsteht auf deinem Grund, der Wiese an der Hauptstrasse, ein Raum für Begegnung. Wie war Deine erste Begegnung mit den Künstlern und was hat Dich veranlasst hier als Gastgeber deine Wiese zur Verfügung zu stellen?

Das Interesse. Und dass mit Strohballen gearbeitet wird, das ist die Materie, die wir auch schon kennen, Heu, Stroh, das kennen wir. So ist der Clemens ein ganz ein Lieber, er hat einmal angerufen, da hab ich mir gedacht, das muss ich mir erst einmal überlegen und mit meiner Frau reden. Weil wenn wir so etwas machen, dann machen wir das wirklich gescheit und ziehen das durch, weil ich bin keiner, der sagt -jaja das kriegen wir schon- und wenn es dann soweit ist, dann sag ich nein. Der Clemens hat dann gesagt, er kommt vorbei und dann reden wir mal drüber und dann hab ich gemeint, das kannst du gern machen, damit wir uns mal finden. Er hat uns dann gezeigt, wie das Ganze ausschaut und wo er es machen will, und da hab ich mir gedacht, ich bin der Letzte, der euch da im Weg steht. Du kannst zu 10 Leuten gehen und ich bin mir sicher 9 davon sagen Nein. Und wenn jeder Nein sagt, dann passiert ja auch nichts. Es war natürlich auch der Zeitpunkt für uns wichtig, damit wir wissen, wann wir mähen müssen, es muss alles ein bisschen zusammenpassen. Aber ich sag: wir machen das. Aus fertig.

Fast in jedem Ort gibt es den Gemeindeplatz, an dem sich die Bevölkerung zu verschiedenen Anlässen trifft, um zu feiern, zu Kundgebungen oder sich auszutauschen. Clemens und Alexander schaffen ja auf deiner Wiese so einen zeitlich begrenzten Ort. Sind solche Orte des Miteinander deiner Meinung nach wichtig und warum?

Bei uns in Hof gibt es schon so einen Gemeindeplatz bei der Kirche, da sind dann die Feste wie der Bauernherbst, aber die Strasse zertrennt alles und da ist keine Ruhe. Wenn ich heut nach Faistenau reinfahre da ist die Ruhe, die Idylle, aber hier in Hof und auch in Thalgau, da fahren immer die Autos durch, das ist schwierig bei uns.

 

Ist der Superort von Clemens und Alexander auf eurer Wiese ein Begegnungsort mit Ruhe?
Eigentlich ideal, der Bus bleibt da stehen, da können die Leute raufgehen zur Wiese.

 

Ist so ein Ort der Begegnung und des Miteinander deiner Meinung nach wichtig?

Ja schon. Alle kommen zusammen und es werden auch viel Leute hingehen.

 

Als Gastgeber und Wiesenbesitzer wirst Du sicher auch Deinem Freundeskreis und Bekannten davon erzählen oder du bist schon darauf angesprochen worden. Wie sind die Reaktionen und wie glaubst Du wird die Bevölkerung es aufnehmen?

Vollstes Interesse und die kommen auch alle, von Thalgau, Mondsee, die haben alle gesagt, sie möchten das unbedingt sehen. Ich kann es mir momentan noch nicht so richtig vorstellen, das muss man dann sehen, wie die Kulisse dann ausschaut. Sie werken eh schon und man sieht schon ein bisschen was, aber wie das dann in das Grün und die Wiese hineinpasst, wie die Stimmung das Ganze so trägt, das muss man dann sehen. Es ist mal ganz was andres und der Clemens hängt sich da auch voll rein.

 

Clemens und Alexander arbeiten ja seit 2 Tagen bei Dir auf dem Hof und bereiten den Superort vor. Ist die künstlerische Arbeit der beiden für Dich eine Bereicherung und wie hat sich dein Blick auf Ihre Arbeit jetzt verändert?

Irgendwie freut es mich, es freut mich wirklich, ich sag`s ganz ehrlich. Sie hängen sich richtig rein und werkeln und es geht viel weiter. Ich hab ihnen auch die Halle gegeben, weil man weiß ja nicht wie das Wetter ist, wenn es dann wieder schüttet, im Freien das geht doch nicht. Da in der Halle haben sie auch einen Heizraum, da ist es schön warm drinnen. Das können sie alles haben, das ist kein Problem. Und wir fahren dann das ganze Zeug mit dem Traktor rüber auf die Wiese, mit dem großen Hänger. Die Nachbarn schauen zwar ein wenig, die kennen sich noch nicht so aus, was da passiert.

 

Das Festival SUPERGAU im Flachgau ist im SalzburgerLand ein ganz neuer Ansatz Kunst im öffentlichen Raum zu zeigen und durch die Aufführungen im Freien trotz Corona für die ganze Bevölkerung zugänglich. Ein Konzept für die Zukunft?

Das könnt schon sein, dass dadurch das Interesse geweckt wird für so etwas. Das muß man jetzt einmal gedeihen lassen. Am Anfang kennt sich keiner aus, man muß das Interesse wecken und dann kommen Leute vorbei und schaun sich das an. Das macht einmal einer und der fängt ganz klein an und das muss dann Früchte tragen, aber man kann es nicht erzwingen. Wir haben auch noch nie gehört, dass so ein Festival irgendwann einmal in der Gegend war.

 

Wirst Du selbst die Möglichkeit wahrnehmen am Festival und verschiedenen Projekten teilzunehmen und freust du dich darauf?

Wir werden uns schon was anschauen, in Strobl ist ja was und von Obertrum haben wir auch was gehört. Und das geben wir uns jetzt mal, weil wir sonst nichts haben vom Leben. (Anton lacht aus tiefstem Herzen)