Salzburger Land

Gabriele Fender

Gabriele Fender ist Museumsführerin in Schloss Moosham und Residentin für Studio Klampisan,  geboren 1962 im Mühldorf/D , lebt in Moosham/Unternberg im Lungau.

 

„Und jetzt bin ich hier.“

 

Wie war Dein Werdegang? 

Der ist gar nicht so aufregend. Ich bin in Bayern geboren, in Mühldorf am Inn, und bin dann mit 19 Jahren nach München, hab dort gearbeitet und meinen damaligen Mann über Freunde kennengelernt. Er war ein chinesischer Indonesier und hat seinen Facharzt in Hamburg gemacht. Wie diese Zeit dann eben vorbei war, wäre er gerne zurück nach Indonesien gegangen. Ich war in der Zwischenzeit ein paar Mal in Urlaub dort und fand es auch toll und fand die Idee mit ihm dorthin zu gehen ganz super. Ich hab mich über die Jahre dort sehr wohl gefühlt und hab aus dieser Zeit auch 3 Kinder. In der Zeit habich auch nicht gearbeitet, weil ich zu Hause bei den Kindern war, hab aber sozial sehr viel für die Brücke gemacht. Die Brücke ist eine Zusammenkunft von deutschen Frauen, meistens Expads, die eben für eine Zeit dort hinkommen. Wir haben Weihnachtsmärkte veranstaltet, Garagesales, Meetings und einmal im Monat hatten wir im Hotel einen Treffpunkt, ich hab in der Organisation mitgearbeitet. 2003 ist mein Mann dann krank geworden, wir sind dann auch nach Deutschland geflogen, wo er operiert wurde, das hat über 3 Jahre gedauert, immer wieder das Gefühl jetzt hat er den Krebs überstanden, dann sind wir wieder nach Indonesien zurückgekommen. Er ist dann 2007 gestorben. Dann hab ich überlegt, ob ich in Indonesien bleibe und hab zufällig gehört, dass in der österreichischen Botschaft jemand gesucht wird für die Visaabteilung, aber nur für ein halbes Jahr.

©Bernhard Müller

Ich hab mich vorgestellt und dann für ein halbes Jahr dort gearbeitet. Dann war für mich die Frage ob ich nach Deutschland zurückgehe, aber meine Kinder wollten eigentlich nicht nach Deutschland. Wie es aber der Zufall wollte, hat die deutsche Botschaft in Jakarta jemanden für die Visaabteilung gesucht und die haben mich angerufen, ob ich mir das vorstellen könnte, ich habmich dann beworben und bin 8 Jahre an der deutschen Botschaft geblieben. Nachdem mein kleiner Sohn auch ausgezogen ist, weil er in Indonesien in einer anderen Stadt zu studieren begonnen hat, hab ich so überlegt, ob ich für immer bleibe oder zurückgehe nach Deutschland. Ich hab dann das Schicksal entscheiden lassen und hab Bewerbungen als Flughafenpersonal nach Frankfurt und München geschrieben. München hat gesagt sie nehmen mich und dann hab ich gesagt, gut dann komm ich und hab meinen Job gekündigt, die Wohnung aufgelöst und bin nach Deutschland gereist. Dann war ich ein Jahr am Münchner Flughafen und hab meinen jetzigen Lebenspartner kennengelernt, der lebt hier im Lungau seit 25 Jahren und ist Zahnarzt in Rennweg. Ja und jetzt bin ich hier und arbeite seit 3 Jahren im Schloss Moosham.

 

Du arbeitest im Schloss als Museumsführerin?

Ja, das macht mir sehr viel Spaß und das mach ich wirklichgerne. Das Schloss wurde erstmals erwähnt 1191 und Graf Nepomuk, also die Wilczeks, die jetzigen Besitzer, haben es 1886 gekauft. Im Sommer, wir sind zu zweit der Schlossverwalter und ich, sind immer 5 Führungen am Tag, da mach ich meistens 3 oder 4 Führungen, und im Winter da bin ich nur geringfügig angestellt, da gibt es nur 2 Führungen am Tag und ich erzähl den Besuchern etwas über das Schloss.

 

Wie siehst du als Zugereiste die Kultur des Lungaus?

Es ist nicht so viel anders als in Bayern. Obwohl, ich weiß gar nicht ob ich das so sagen darf, aber im Lungau sind die Menschen, speziell meine Generation, sehr unzugänglich auf fremde Menschen, die sie nicht kennen. Die haben da ihre Clique und bei der bleiben sie auch. Die jüngere Generation ist da schon viel offener. Ich kenn das halt nicht von Indonesien, da sind die Ausländer, die kennen auch keinen und sind dann froh, wenn sie jemanden kennenlernen.

 

Bist du denn in Vereinen hier im Lungau tätig?

Nein, weil ich finde gerade auch keinen Verein, der zu mir passt. Ich kann weder musizieren und ich kann auch nicht singen, Basteln und solche Sachen machen mir keinen Spaß und dann wird`s schwierig und warum soll ich zum Basteln gehen, nur damit ich Leute kennenlerne, das bin ich nicht.

©Bernhard Müller

Was empfindest du als das große Kulturgut des Lungaus?

Also das Brauchtum ist hier schon sehr groß geschrieben. Sie machen im Lungau viele traditionelle Veranstaltungen, Trachtenveranstaltungen, Feuerwehrveranstaltungen und sehr viel passiert hier noch in der Gemeinschaft.

 

Wo befindet sich deiner Meinung nach die Situation der Kunst im Lungau?

Es kommt darauf an, welche Kunst man meint. Wir machen selbst ab und zu klassische Konzerte hier im Haus, drüben im Wohnzimmer und es kommen ein paar Leute, die immer kommen, aber es gibt nicht so viele Leute, die klassische Musik lieben. Was schon sehr besucht und begehrt ist, ist dietraditionelle Musik von hier. Theater gibt es auch in Maria Pfarr drüben, das ist super, die machen jedes Jahr Veranstaltungen, da bin ich auch immer und das find ich auch ganz toll. Kunstaustellungen sind dann eher drüben in Gmünden, in Kärnten. Hier gibt’s schon manchmal was, aber nicht so sehr viel, aber vielleicht weiß ich es auch nicht.

©Bernhard Müller

©Bernhard Müller

Wie wurde denn der Supergau bekannt gemacht und wie bist du zum Supergau gekommen?

Also das mit dem Supergau hätt ich jetzt von der Zeitung her auch nicht gewusst, ganz ehrlich gesagt.  Ich hab es halt früher erfahren, weil ich ganz zufällig die beiden Indonesier getroffen habe. Das war, wie sie zum ersten Mal hier waren, da war ich gerade mit der Schlossführung fertig, bin aus dem Schloss gekommen und die beiden sind vorbeigegangen und haben mich etwas auf Englisch gefragt. Ich hab geantwortet und dann hat das Mädchen mit dem Mann auf Indonesisch gesprochen, ich hab sie gefragt, ob sie aus Indonesien kommen und hab sie auf einen Kaffee eingeladen und darum hab ich das gewusst. Die Anna vom Supergau hat mich dann kontaktiert und war auch hier und wir haben darüber gesprochen. Ich hab gesagt, das wär kein Problem und das könnt ich machen mit dem Übersetzen. Über das Telefon haben wir Kontakt mit den Künstlern gehalten und drei Wochen vor dem Auftritt haben sie mir die Dokumente geschickt und die hab ich übersetzt.

 

Du begleitest also die Künstlergruppe beim Festival und den Performances?

Nein, nur 3 Performances begleite ich, die in Tamsweg, eine hier im Schloss Moosham und die heute in St. Michael. Was sie bei den Performances sagen, übersetze ich in Deutsch und in Schloss Moosham hab ich so einen Bericht vorgelesen, das war nicht ganz meines eine ganze Seite runterlesen. Ich find das schöner, wenn sie etwas sagen und man übersetzt das dann. Die Leute sind dann halt auch nicht so fokussiert, wenn man eine ganze Seite runterliest.

 

Wie würdest du einem Außenstehenden das Kunstprojekt von Studio Klampisan erklären?

Es geht eigentlich um die Landschaft von Indonesien und auch ein bisschen um die Kultur. In Tamsweg wollten sie zum Beispiel auch das mit dem Rauchen machen. In Österreich rauchen ja nicht so viele Leute und sie wollten ihren Zigarettentabak mit den Nelken vorstellen, das ist in Indonesien auch eine sehr große Industrie, weil man dort noch sehr viel raucht. Dann haben sie die Landschaft mit ihren Hügeln vorgestellt und in Schloss Moosham ging es fast nur um die Todeshügel in Indonesien, weil auf dem Land werden die Leute oft noch auf den Todeshügeln bestattet. Dann ging es noch darum, dass diese Hügel auch gekauft werden können. Was sie aber vergessen haben zu sagen, dass in Indonesien kein Ausländer Land kaufen darf, die Indonesier wollen ihr Land für sich behalten. Zum Beispiel die Lawaberge, dass einer der Größte weltweit ist. Kultur ja, aber fast ein bisschen weniger, die Landschaft hauptsächlich.

©Bernhard Müller

Wie hast du denn bei den Performances die Reaktion der Besucher wahrgenommen?

Eigentlich sehr positiv, besonders heute in St. Michael, auch in Schloss Moosham. In Tamsweg auch zweigespalten, da haben sie ja so einen Sarg dabei gehabt, manche Leute haben sich an dem Sarg gestört. Gestern hab ich zufällig gehört, dass die Leute gesagt haben „ Ja aber gibt doch so viel, warum müssen sie denn da jetzt genau über die Toten was machen“. Manche fanden es bestimmt interessant, manche weniger. Sie sind ja auch von der Polizei angehalten worden, hab ich gehört, wie sie mit dem Sarg einen Spaziergang gemacht haben und da hat irgendjemand angerufen, dass da Leute mit einem Toten durch die Straßen ziehen. Also warum sie den Sarg genommen haben, weiß ich jetzt auch nicht so genau. Ein Sarg ist in Europa nicht unbedingt so zu sehen wie es die Indonesier sehen. In Indonesien würde sich keiner daran stören, wenn er mit dem Sarg durch die Straßen geht, das wär denen egal. Wenn da jemand stirbt, fahren sie auch mit Autos in Kolonnen durch die Straßen, vorne das Sargauto und alle hinterher. Die Reicheren, die Armen tragen den Sarg. Dort ist das ganz normal, da würde keiner anrufen, da geht einer mit der Leiche durch die Straßen. Aber das haben sie dann schon geregelt mit der Polizei.

 

Hast du dir schon andere Projekte vom Festival angeschaut?

Leider noch gar nicht. Ich hab jetzt besonders über Pfingsten die ganze Zeit gearbeitet. Aber ich hab noch was vor, eigentlich wollt ich morgen noch mit der Bustour mitfahren, da glaub ich sehe ich dann am meisten.

 

Siehst du das Festival mit seiner zeitgenössischen Kunst als Bereicherung für die Lungauer Bevölkerung?

©Bernhard Müller

Ich denke das ist gemischt. Es gibt Leute, die sich wirklich freuen neue, moderne Kunst zu haben, es gibt auch Leute, die sagen das passt gar nicht zu uns, aber das ist auch mehr meine Generation, die Jüngeren sind mehr aufgeschlossen. Für mich war das jetzt schon sehr interessant, auch aus dem Grund, dass ich so lange in Indonesien gelebt habe.