Salzburger Land

Der Tennengau wird zum Supergau:
Projekte für 2027 ausgewählt

PDF zum Download

Die ersten Künstler:innen für das Supergau-Festival vom 13. bis 23. Mai 2027 im Tennengau stehen fest: Aus 270 Einreichungen wurden zwölf Projekte ausgewählt.

Im Rahmen eines Residenz-Programms vom 22. bis 26. September 2026 haben die Künstler:innen die Möglichkeit, vor Ort zu recherchieren und in einen Austausch mit lokalen Partner:innen, Bewohner:innen und Akteur:innen zu treten. Bei einem öffentlichen Come-Together am 23. September in Abtenau kann man die Künstler:innen und das Team des Supergau-Festivals kennenlernen.

Nach Ausgaben im Flachgau (2021), Lungau (2023) und Pinzgau (2025) wird das vom Land Salzburg initiierte Supergau-Festival vom 13. bis 23. Mai 2027 im Tennengau fortgesetzt. Künstler:innen aller Sparten – regional, national und international – waren in einem Open Call eingeladen, ihre Projektideen für den Tennengau einzureichen.

Von einem Fachgremium wurden Einreichungen ausgewählt, die sich aus der Region heraus entfalten und deren Gegebenheiten aufgreifen. Besonders willkommen waren spartenübergreifende Ansätze sowie Formate, die gemeinsam mit lokalen Initiativen, Vereinen, Institutionen oder Bewohner:innen entstehen oder Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Besonderen einbinden. Umgesetzt werden sie an unterschiedlichen Orten bzw. als mobile Festivalbeiträge im Tennengau.


Supergau 2027: Projektauswahl

Zwischen Volkskultur und Hochkultur: Bei Beate Ronacher wird ein mehrere Meter hoher Dönerspieß zum „Volksspieß“ und einem Denkmal, das mehr Fragen stellt, als Antworten gibt.

Der Fagerstein, Kultplatz in St. Koloman, wandert bei „Der Schöne Stein“ von Wouter Osterholt als maßstabsgetreues mobiles Modell durch die Region und wird zum Ort für ein gemeinsames Ritual.

Im Steinbruch von Adnet entsteht mit dem Projekt „Marmor Zement Wasser (AT)“ von Christian Göthner (lfm2) und Kai-Hendrik Windeler eine temporäre Werkstatt, in der Terrazzo hergestellt werden kann.

Bei „Unterwegs im G(r)au _ analoge Pritschenporträts“ von Markus Guschlbauer und Daniel Hill wird eine selbstgebaute Großformatkamera zum Ort für Begegnung.

Das Projekt „Soiltude“ von Maria Nalbantova und Antoni Rayzhekov macht den Erdboden und alles darunter Verborgene hörbar und überträgt es live in die Kopfhörer der Festivalgäste.

In Kooperation mit dem Holztechnikum Kuchl macht Harald Scherz Holz zum Ort der Begegnung: Aus regionalen Hölzern entsteht mit „HOLY WOOD“ eine organische, ringförmige Struktur, die zum Sitzen und Liegen einlädt.

Ausgehend von der Sammlung des Museum Kuchl entwickeln Ana de Almeida und Lena Rosa Händle mit „Fossilien der Zukunft“ gemeinsam mit Jugendlichen aus Kuchl ein Gegenarchiv, das von einer Vergangenheit erzählt, die es so nie gegeben hat, die es aber vielleicht hätte geben können.

Alpine Felsritzbilder aus dem Hagen- und Tennengebirge treffen bei Roswitha Weingrills „(Hier könnte deine Meinung stehen)“ auf die Sichtbetonwände der Gollinger Bahnunterführung, wo bis vor kurzem noch ein Haus stand.

In Kooperation mit dem Theater Abtenau fragt das Theater im Bahnhof Graz beim investigativen Spaziergang „APRÈS SCHNEE“, was vom Ort bleibt, wenn der Schnee ausbleibt.

Das interdisziplinäre und internationale Kollektiv Von Null macht mit „FOREVER JUNG“ den Abtenauer Marktplatz zum quietschbunten Aufenthaltsort mit Plantsch-Potential für alle.

In „COLLAGIERTE WIRKLICHKEIT“ widmet sich Hannah Jorinde Dörr im verlassenen Straßenwärterhäuschen in Oberscheffau mit alten Fotografien und Erzählungen der Geschichte des Ortes.

Auch beim Sonderprojekt „KLammer“ von Leon Himmelbauer und Hélène Dal Farra wird das alte Straßenwärterhaus in Oberscheffau zum offenen Arbeits- und Begegnungsort. Künstler:innen, Handwerker:innen, Student:innen und Einwohner:innen erarbeiten gemeinsam, was hier entstehen kann und wie das Haus künftig genutzt werden soll.

Neben den genannten ausgewählten Projekten wird es am Leierhof in Abtenau während des Festivals im Mai 2027 eine Künstler:innen-Residenz geben, wozu weitere vier Künstler:innen aus dem Open Call eingeladen werden. Dazu kommt ein begleitendes Programm mit Workshops, Konzerten, Performances und Festen, wo Menschen zusammenkommen, mitmachen, zuhören, feiern und selbst Teil des Festivals werden können.


Auswahlgremium

An der Auswahl für den Supergau 2027 beteiligt waren: Theresia Kaiser-Gruber und Heinz Kaiser (Kulturverein Schloss Goldegg), Astrid Peterle (Chefkuratorin Museumsquartier Wien), Sarah Riebler (Kultkantine Golling, Leitung Kultteens, Jugendclub des Kulturvereins) sowie Haiko Pfost und Thomas Hörl (Supergau).

Zum Auswahlverfahren

Das Auswahlverfahren erfolgte in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten:

Zunächst hatten die Mitglieder des Auswahlgremiums die Möglichkeit, aus sämtlichen Einreichungen jene Projekte zu nominieren, die sie auf Grundlage der Ausschreibungskriterien als geeignet erachteten.

In einem nächsten Schritt wurde eine Vorauswahl aus diesen Nominierungen getroffen. Zur weiteren Objektivierung des Verfahrens wurde ein Punktesystem angewendet und anschließend eine Shortlist erstellt.

Auf Basis dieser Liste wurden an die Einreichenden Rückfragen gerichtet, um offene Punkte zu klären und ergänzende Informationen einzuholen. Nach Prüfung der eingelangten Rückmeldungen erfolgte eine budgetäre Bewertung der Projekte.

Auf Grundlage einer sich daraus ergebenden Gesamtbewertung wurden die ausgewählten Projekte von der künstlerischen Leitung vorbehaltlich ihrer finanziellen und organisatorischen Realisierbarkeit zur Förderung empfohlen bzw. erhielten eine entsprechende Förderzusage durch das Land Salzburg.


Supergau 2027: Künstler:innen und Projekte (Arbeitstitel)

Ana de Almeida und Lena Rosa Händle: „Fossilien der Zukunft“
Ana de Almeida, geboren 1987 in Prag, lebt und arbeitet zwischen Lissabon und Wien. Als Künstlerin und Autorin beschäftigt sie sich mit archivistischen Methoden, der Schnittstelle zwischen persönlicher und kollektiver Geschichte sowie Erinnerungsprozessen aus einer gesellschaftspolitischen Perspektive, wobei sie häufig mit Skulptur, Fotografie, Installation und Performance arbeitet. Ein zentraler Schwerpunkt liegt in der Aktivierung informeller Archive. Ana de Almeida erhielt 2026 den Erste Bank Kunstpreis. 2026www.anadealmeida.com
Lena Rosa Händle, geboren 1978 in Berlin, lebt und arbeitet in Wien. Ihre künstlerische Praxis von spannt sich von Fotografie und Collage über Installation, Skulptur bis hin zu partizipativen Kunstprojekten mit einem großen Interesse an sozialen und persönlichen Verhältnissen, die häufig mit der Befragung von Normativität und Identität verbunden sind. Ihre Arbeiten reflektieren kritisch soziale, politische, historische und ökologische Gegebenheiten für eine lebbare Zukunft. Seit 2023 realisierte sie viele partizipative ökologische Kunstprojekte mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. www.lenarosahaendle.de

Hannah Jorinde Dörr: „COLLAGIERTE WIKLICHKEIT“
Geboren 1990 in Berlin, Videokünstlerin und Regisseurin. Neben eigenen Filmen arbeitet Hannah Dörr als freie Videokünstlerin für Theaterproduktionen, u.a. Maxim-Gorki-Theater Berlin, Theater Basel, Oper Zürich. Seit 2019 vermehrt auch als Theaterregisseurin, hier u.a. am Ballhaus Ost und der Volksbühne Berlin. www.hannahdoerr.com

Christian Göthner (lfm2) & Kai-Hendrik Windeler: „Marmor Zement Wasser“
Christian Göthner, geboren 1986 in Grimma, Deutschland, lebt und arbeitet in Leipzig. Er untersucht – u. a. als Teil der Arbeitsgemeinschaft lfm2 Architektur, Geschichte und soziale Nutzung eines Ortes und entwickelt daraus künstlerische Interventionen. www.lfm2.de
Kai Hendrik Windeler, geboren 1985 in Neuss, Deutschland, lebt und arbeitet in Leipzig. Er beschäftigt sich in seinen recherchebasierten Arbeiten und Projekten mit der Konstruktion und Transformation von Information, Architektur und räumlichen Strukturen. Diese Auseinandersetzung überführt er vor allem in konzeptionelle, multimediale und ortsspezifische Rauminstallationen. www.khwindeler.de

Markus Guschlbauer & Daniel Hill: „Unterwegs im G(r)au _ analoge Pritschenporträts“
Markus Guschelbauer, geboren 1974 in Friesach, Kärnten, lebt und arbeitet in Wien. Die interdisziplinären Arbeiten des bildenden Künstlers und Fotografen sind an der Schnittstelle von Fotografie, Video, Performance und Land Art angesiedelt. Er setzt sich konzeptuell und poetisch mit Raum, Natur und deren Wahrnehmung auseinander und verwendet Fotografie dabei nicht als rein dokumentarisches Medium, sondern als aktives, performatives Werkzeug, das seine temporären Eingriffe in die Landschaft in autonome Bildwerke übersetzt. www.markusguschelbauer.com
Daniel Hill, geboren 1980 in Florida, lebt und arbeitet in Wien. Er untersucht in seiner künstlerischen Praxis mittels Fotografie, Bewegtbild, Performance, Installation, Text und kuratorischen Formaten, wie Körper durch die Räume, Bilder und gesellschaftlichen Strukturen geprägt werden, in denen sie angesiedelt sind. In seinen Projekten bewegt er sich zwischen stark inszenierten Bildern und ortsbezogener Recherche und bringt dabei häufig historisches oder theoretisches Material mit gelebter körperlicher Erfahrung in Verbindung. www.studiodanielhill.com

Kollektiv Von Null: „FOREVER JUNG“
Das Kollektiv Von Null (gegründet 2022 von Jannis Schiefer, Ines Abreu, Lucia Neumann und David Biegl) ist ein interdisziplinäres und internationales Kollektiv, das in seinen Projekten und Konzepten das Wesen eines Ortes aufspürt und Raumpotentiale aufzeigt. Die Neu- oder Umgestaltung von Räumen soll Fragen stellen und regt zum Nachdenken an. www.vonnull.eu

Maria Nalbantova & Antoni Rayzhekov: „Soiltude“
Maria Nalbantova, geboren 1990 in Sofia, lebt und arbeitet ebendort. Die künstlerische Praxis und multimedialen Installationen der bildenden Künstlerin sind geprägt von einer langfristigen Auseinandersetzung mit bestimmten Orten und deren historischen, gesellschaftspolitischen und ökologischen Veränderungen. 2026 ist sie gemeinsam mit Gery Georgieva, Rayna Teneva und Veneta Androva Teil des Bulgarischen Pavillons auf der 61. Biennale di Venezia. www.marianalbantova.com
Antoni Rayzhekov, geboren 1980 in Sofia, lebt und arbeitet in Salzburg. Die Praxis des Künstlers und Wissenschaftlers (u. a. am Department of Artificial Intelligence and Human Interfaces der Paris Lodron Universität Salzburg) ist an der Schnittstelle von Sound, Performance und materieller Interaktion angesiedelt. In seinen Arbeiten werden Alltagsgegenstände, Körper und biologische Materie zu Klangmaterial. www.rayzhekov.com

Beate Ronacher: „Volksspieß“
Geboren 1979 in Salzburg, lebt und arbeitet in Hallein. In ihren Installationen und Performances enthebt Beate Ronacher profane Gegenstände, Materialien und Tätigkeiten ihrer ursprünglichen Funktion und ihrem Kontext und setzt sie in einen neuen Zusammenhang. Scheinbar zweckdienliche Handlungen werden dabei ad absurdum geführt. www.beateronacher.com

Harald Scherz: „HOLY WOOD”
Geboren 1978 in Salzburg, lebt und arbeitet ebendort. Das Schaffen des Künstlers und Filmemachers fasst Video und Film, Installationen, Zeichnungen und Skulpturen. www.haraldscherz.com

Theater im Bahnhof Graz: „APRÈS SCHNEE“
Das Theater im Bahnhof Graz (Team für das Supergau Festival: Johanna Hierzegger (geboren 1965), Gabriela Hiti (geboren 1968), Christina Helena Romirer (geboren 1982) ist ein Kollektiv von Theatermacher:innen, das sich als zeitgenössisches Volkstheater versteht. Sein Thema ist die sogenannte österreichische Identität, womit Selbstverständnis, Eigen- und Fremdbilder, Kon- und Dissense in der aktuellen gesellschaftlichen Realität gemeint sind. www.theater-im-bahnhof.com

Roswitha Weingrill: „(Hier könnte deine Meinung stehen)“
Geboren 1984 in der Steiermark, lebt und arbeitet in Wien, interessiert sich als bildende Künstlerin für Materialexperimente, soziologische Phänomene, wissenschaftliche Randgebiete und die Dekonstruktion großer globaler Themen in überschaubare und regionale Aspekte. Zu ihren Arbeiten zählen multimediale Installationen, Interventionen im öffentlichen Raum und experimentelle Klangobjekte aus Keramik. www.roswithaweingrill.com

Wouter Osterholt: „Der Schöne Stein“
Geboren 1979 in Leiden, Niederlande, lebt und arbeitet in Berlin. Er nutzt in seiner ortsspezifischen und interdisziplinären Praxis die Mittel der Kunst, um zur sozialen und ökologischen Neuinterpretation ausgebeuteter Orte beizutragen. Dabei initiiert er einen Prozess, in dem lokale kulturelle und archäologische Objekte und/oder soziale Phänomene wie Rituale genutzt werden, um ein Gefühl der Zugehörigkeit neu entstehen zu lassen. Indem er verborgene historische Schichten freilegt und lokale Materialien neu kontextualisiert, verweisen seine Arbeiten auf eine räumliche Verbundenheit und einen zeitlichen Kontinuums-Zusammenhang. www.wouterosterholt.com

Sonderprojekt: Leon Himmelbauer & Hélène Dal Farra: „KLammer“
Leon Bernhofer (Künstlername: Leon Himmelbauer), geboren 1999 in Klagenfurt, lebt und arbeitet in Scheffau und Weimar). Er arbeitet als bildender Künstler an den Schnittstellen zwischen Kunst, Gesellschaft und anderen Wissens- und Handlungssystemen. Seine Projekte entstehen häufig kollaborativ und bewegen sich zwischen verschiedenen Medien, Disziplinen und Kontexten. Er beschäftigt sich vor allem mit interdisziplinären und partizipativen Projekten im öffentlichen Raum. www.leon.bernhofer.net
Hélène Dal Farra (Künstlername: Hummingbird), geboren 1992 in Nantes, Frankreich, lebt und arbeitet in Weimar. Die Kulturvermittlerin, Musikerin und interdisziplinäre Projektentwicklerin verbindet in partizipativen Projekten Sprach- und Kulturvermittlung mit Kunst und gesellschaftlicher Teilhabe. Mit Projekten im öffentlichen bzw. ländlichen Raum will sie Menschen dazu ermutigen, sich als aktive Mitgestalter*innen künstlerischer Prozesse einzubringen.